
Wenn im Betrieb der Verdacht auf Arbeitszeitbetrug auftaucht, ist die Situation fast nie eindeutig. Oft gibt es Muster, die irritieren, während gleichzeitig ein Krankschreiben vorliegt. Genau hier passieren die meisten Fehler: Entweder man eskaliert zu früh mit Vorwürfen oder man lässt den Fall zu lange laufen, bis er teuer wird.
Eine faire Abklärung bedeutet nicht, jemanden zu „überführen“. Sie bedeutet, die Arbeitsunfähigkeit so zu klären, dass Entscheidungen auf einer sauberen Grundlage möglich sind, bezogen auf die konkrete Tätigkeit.
Ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis sagt meist nur, dass jemand arbeitsunfähig ist. Was oft fehlt, ist der Bezug zur Tätigkeit: Was ist im Job realistisch möglich, was nicht, und warum. Ohne diese Einordnung entsteht Interpretationsraum. Team und Führung füllen die Lücken mit Vermutungen. Die betroffene Person fühlt sich angegriffen. Und aus einem Krankschreiben, wird ein Konflikt.
Es geht nicht um Beweise, sondern um Muster, die eine Klärung sinnvoll machen:
Wenn dies zusammenkommt, ist meist die beste Lösung, eine strukturierte Einordnung durch einen Vertrauensarzt.
Der Fokus sollte nicht „Betrug“ sein, sondern diese Frage:
Wie ist die Einsatzfähigkeit bezogen auf die konkrete Tätigkeit medizinisch nachvollziehbar einzuordnen?
Damit bleibst du sachlich, deutlich rechtssicherer und du bekommst die Antwort, die du für Entscheidungen brauchst.
Damit die Abklärung etwas bringt, braucht es in der Praxis keine Aktenberge, sondern vier saubere Grundlagen: ein aktuelles Arbeitsunfähigkeitszeugnis oder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, eine kurze Chronologie, was wann passiert ist, ohne Wertung, sowie ein Stellenprofil oder eine Tätigkeitsbeschreibung. Relevante Arztberichte sind hilfreich, falls sie bereits vorhanden sind. Je klarer der Tätigkeitsbezug ist, desto klarer wird am Ende auch die Einschätzung.
Drei typische Stolpersteine, die fast immer kontraproduktiv sind:
1. Vorwurfssprache
(„Arbeitszeitbetrug“, „Simulation“) bevor du eine belastbare Grundlage hast
2. Druckaufbau ohne Struktur
(mehr Gespräche, mehr Schriftverkehr, aber keine klare Fragestellung)
3. Team Gerüchte als Grundlage
(statt sachlicher, dokumentierter Punkte)
Wenn du fair bleiben willst, muss der Prozess nachvollziehbar sein, auch im Nachhinein.
Den Fall entemotionalisieren und strukturieren: klare Fragestellung, Tätigkeitsbezug, saubere Unterlagen. So wird aus einem Verdacht ein klärbarer Prozess.
Wenn Grad, Dauer oder Einsatzfähigkeit bezogen auf die Tätigkeit unklar bleiben oder wenn der Verlauf widersprüchlich wirkt. Dann ist eine Kurzbeurteilung oder vertrauensärztliche Untersuchung sinnvoll.
Weil „arbeitsunfähig“ ohne Job Kontext fast nichts aussagt. Erst der Bezug zur konkreten Tätigkeit macht eine Einschätzung nutzbar.
Wenn Arbeitszeitbetrug vermutet wird und gleichzeitig ein Krankschreiben vorliegt, ist der grösste Hebel nicht mehr Druck, sondern mehr Klarheit. Eine faire Abklärung richtet den Fokus auf die Frage, was bezogen auf die konkrete Tätigkeit medizinisch nachvollziehbar möglich ist. Genau dort schafft Visamed eine strukturierte Grundlage, damit Arbeitgeber wieder entscheiden können, ohne unnötige Schleifen und ohne Eskalation.
